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Ein eigener Blickwinkel - Das Wagnis des Lebens ins Ungewisse

Wunder des Lebens

Will ich erklären, was Leben ist,
so entferne ich mich,
aber empfinden, das kann ich.

Wenn wir zusammenstehen,
sehe ich in Dir, anwesend zu sein.
Ich berühre Dich und empfinde mich.

Wir können auseinandergehen
und uns wiedersehen,
um wieder zusammenzustehen.

Es ergibt sich, wenn Du ergänzest mich,
dass wir zusammen gehen
ins unbekannte Geschehen.

Es ergibt sich, dass zwei Gestalten,
durch ihre Art erst dann ganz werden,
wenn sie vereint den Weg durchgehen.

Mann und Frau vereinigen sich,
weil geistiges Bestreben sie so gebaut,
dass sie ergänzen sich.

Jeder gibt sich im Bestreben,
durch seine Art den Anderen zu beleben,
einfach so, ohne zu überlegen.

Es ist das Bestreben des Lebens selbst,
Mann und Frau zusammenzuführen,
um dem Leben Dauer zu geben.

Hier schweigt jeder Begriff und
Lust und Liebe entfalten in Freiheit sich.
Jeder nimmt und gibt in Liebe sich.

Bei diesem Geschehen sollte keiner
auf den Anderen sehen. Es gilt,
sich selbst ins Spiel zu bringen.

Wenn dann ein Kind zur Welt gekommen,
so erfüllt das Leben sich,
für Mann und Frau und auch das Kind.

Das Leben hat sich selbst
ins Spiel gebracht - ein Wunder.
Wir erleben und verneigen uns.

Klaus Wansleben, 2016