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Ein eigener Blickwinkel - Das Wagnis des Lebens ins Ungewisse

Am Morgen

Morgens früh, wenn die Nacht vergangen,
steh ich auf und beginne den Tag.
Die Nacht hat mich genommen.
Sie führte mich in die dunkle Tiefe
und hat mir Energie gebracht.
Mein Innerstes ist wie eine Quelle,
bereit herzugeben, was ich empfinde.

Nicht nur der Schlaf hat Leben gebracht.
Ich lag auch wach mit meinen Sinnen.
Nichts störte mein innerstes Bestreben
wahrzunehmen, was die Tiefe mir sagt.
Gott allein ist Leben und ich gar nicht da.
Ich werde erste durch Nehmen und Lieben.
Ich liebe die Gestalten des Seins, die sich zeigen.

Es ist der Raum, der schützend mich umgibt,
das Licht, was alles in Erscheinung bringt.
Das Leben liebt in mir zu leben durch mein Atmen.
Der Atem ist wie der Bogen,
der über Saiten streicht und erklingen lässt
das immerwährende Lied des Lebens.
Es ist das Lied der unermüdlichen Liebe.

Solange sich in mir zündet die Flamme der Liebe
zu dem, was das Leben mir gibt, werde ich leben.
Die Liebe allein ist Leben.
Sie richtet auf und lässt mich aufstehen, um zu vollziehen,
was das Leben von mir fordert.
Es ist wie ein Zelebrieren, es in die Hand zu nehmen
und zu dienen, damit es wachsen kann.

Klaus Wansleben, 2016