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Dezember 2014

Die Religion in der Gegenwart oder zu leben mit leeren Händen

In der Gegenwart stellt sich die Frage nach dem Religiösen in einem starken Maße. Sind wir doch durch Ereignisse im Leben vor Fragen gestellt, die durch die Vernunft nicht zu beant­worten sind. Die Fragen möchten eine Antwort darauf, wie ist im Leben Friede zu finden mit sich selbst, zwischen Mann und Frau, in den Familien bei Eltern und Kindern, am Arbeits­platz, zwischen Menschen überhaupt und den Völkern dieser Erde. Die Vernunft mit Lehr­sätzen, Geboten, Wissenschaften, Beurteilungen und Maßnahmen scheint, gemessen an den Resul­taten, keinen Erfolg zu erzielen.

Das Religiöse ist zwar zu nennen, jedoch sein inneres Walten ist dem Zugriff des Verstandes entzogen. So ist es auch mit dem Frieden. Wir können über ihn sprechen, verordnen jedoch lässt er sich nicht. Dabei brauchen wir ihn ganz einfach, um riege zu vermeiden, Kriege im Großen, wie im Kleinen. Friede ist nicht einfach nur eine charmante Begleiterscheinung, son­dern Grundlage für ein erfülltes Leben. Zudem, das lehrt uns die Erfahrung, Voraussetzung für Wachstum und Gesundheit.

Die Religionen treten mit Glaubenssätzen auf, mit denen in der Gegenwart die brennenden Fragen nicht beantwortet werden können. Sie beanspruchen wegen ihres Beharrens auf Absolutheit für sich jeweils das Recht, richtig zu sein und erzeugen dadurch Feindschaft. Ein Mensch mit anderem Glauben wird nicht geachtet. Ein religiöser Glaube, der durch lebendige Ereignisse in einer längst vergangenen Zeit entsteht, wird in einer anders gearteten Zeit nur noch wenig Gültigkeit haben können. Er verliert seine Lebendigkeit und besteht aus Glaubens­sätzen, die in einer ängstlichen Weise beachten werden. Der Mensch hat Angst, aus­ge­schlos­sen zu werden. Die Angst sollten wir gehen lassen.

Erkennen worum es geht, eine Lösung zu sehen und zu handeln, ergibt sich erst, wenn ein Mensch ganz wach und frei von ichbezogenen Ängsten die Welt sieht. Er erkennt nicht mit dem Verstand, er empfindet, wie er auch sich empfindet. Er fühlt dann seine Verantwortung und macht nicht andere für eine Lösung zuständig. Er findet eine Lösung, die ihm liegt, dem Menschen gerecht wird und dem Leben insgesamt dient. Nicht der Verstand ist es mit seiner Vernunft, sondern seine Empfindungswelt offenbart ihm Vorgänge, die sich im Unbewussten abspielen. Lösungen sind dort zu finden. Dorthin gelangt der Mensch nicht über den Weg der Vernunft. Die Vernunft ist ein hohes Gut. Sie kann eine Straßenverkehrsordnung zustande bringen. Mit einer diktierten Ordnung können unbewusste Bindungen nicht gelöst werden. Im Religiösen - und was ist nicht religiös - klingt es an, wenn von "Lilien auf dem Felde" die Rede ist oder der " Armut im Geiste" bei der Bergpredigt. Im ZEN wird vom " Ton der einen Hand " gesprochen und im Hinduismus "Wer sich am Ziel fühlt, geht zurück". Watzlawick spricht in einem Buch vom Sinn des Unsinns und vom Unsinn des Sinns. Es könnte auch vom Gewinn des Verlorenen und vom Verlust des Gewinns gesprochen werden. Ist dieses nun Wichtig­tuerei?

Einfach ist es nicht, auf diesem Weg eine Lösung herbei zu führen. Manchmal ist es einfacher zu leiden als zu lösen, sagt Hellinger in seinem Buch "Anerkennen, was ist". Der Mensch muss sich dem Leid stellen, es durchleiden, um die dahinter befindliche Freiheit zu erlangen. Es ist ein religiöser Vorgang.

Der Mensch hat von sich aus eine natürliche Religiosität. Sie schlummert im Unbewussten. Sie kann geweckt werden durch Spontanität und auch durch einen erfahrenen Menschen. Worte helfen nur dann, wenn sie leise ohne Betonung gesprochen sind, ohne Aufdringlichkeit und nie verneinend. Eine Lösung lässt sich nicht erzwingen, die Sehnsucht bringt es. Sie findet.

Ich komme nirgendwo her und gehe nirgendwo hin. So kann ich mit DIR … mit DIR … mit DIR … und Weiteren sein mit meinem ganzen Herzen und lieben.

Klaus