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Die Schuld - Ihre Bedeutung im Leben

Darüber möchte ich noch sprechen - am Ende meines Lebens.

Im Unbewussten spielt sie eine bedeutende Rolle. Das Leben mit seiner Entfaltung hängt davon ab. Nehme ich Schuld auf mich, so kann ich leben. Aber wir möchten unschuldig sein. Wir suchen immer, wenn sich ein Hindernis im Verlauf des Lebens zeigt, eine Beschwernis oder Unangenehmes, einen Schuldigen. Selbst wenn wir einem anderen nicht das gaben, was wir ihm schuldeten, suchen wir die Schuld bei einem anderen.

Es ist jedoch so, dass das Leben ohne Schuld nicht sein kann. Die Schuld führt uns zu uns selbst. Da der Ort, um zu leben, bei uns liegt, versagen wir uns selbst das Leben, wenn wir immerzu Schuld zurückweisen. Und was geschieht mit dem anderen. Er hat ebenfalls die Chance, zu sich selbst zu kommen. Der Träger einer Schuld und der, welcher darunter zu lei­den hat, gehören durch das Schicksal zusammen. Ein Beispiel ist der Krieg. Der ver­gan­gene Krieg, der viel Leid gebracht hat, hat schicksalsmäßig die Gegner zusammengebracht durch Zusammenhänge, in die die einzelnen hineingeraten sind. Die Schuldigen und die Leid­tra­gen­den gehören zusammen in einer Weise, die beiden eine Lösung bringen kann. Sie liegt darin, dass beide, weil Umstände, die keiner zu vertreten hat, sie zusammenführten.

Ein ganz einfaches Beispiel. Es zeigt, wie unausweichlich sich Schuld einstellt und zum Leben gehört. Ich bestelle ein Taxi. Das Taxi trifft ein. Ich bin noch nicht fertig, meine Frau mahnt mich, nun komm. Ich gerate innerlich in ein Unwohlsein - ich möchte die Situation mit dem Warten anderer nicht ausgelöst haben. Sie schauen mich schief an. Das möchte ich nicht. Ein anderes Beispiel mit weit größerer Auswirkung, die Auslösung einer Schwangerschaft. Mann und Frau, verheiratet, zeugen ein Kind, obgleich die äußeren Verhältnisse ungünstig sind, z.B. eine Wirtschaftsflaute mit drohender Arbeitslosigkeit. Wie ist das Kind zustande gekommen. Der Vater neigt dazu zu sagen, es sei nicht gewollt, anstatt zu sagen, die Wirkung der Frau auf mich mit ihrer ganzen Schönheit und Ausstrahlung war so stark, dass dieses un­aus­bleib­lich geschah. Ich stehe dazu. Es ist ein Kind der Liebe zwischen Mann und Frau in seiner tiefsten Bedeutung. Das Kind wurde von keinem von uns gezeugt, das Leben selbst war der Urheber. Dazu bedarf es der richtigen Selbsteinschätzung!

Es ist im wahren Sinn des Wortes notwendig, dass der Mensch sich dessen bewusst wird, damit für die Schuld im Inneren des Menschen, die positive Bedeutung Platz findet, die ihr zukommt. Vom anderen eine Entschuldigung zu fordern, führt nur noch tiefer in eine Ver­wir­rung. Verständnis für Zusammenhänge sollte hier aufgebracht werden, damit am Ende die positive Wirkung zu Stande kommt, die in diesem Geschehen zu Hause ist. In diesem Licht hat die Sünde, wie sie im Christentum gedeutet wird, keinen Platz. Die Liebeskraft, die in der Tiefe des Menschen zu Hause ist, hat hiermit keine Schwierigkeit. Manche Ehe würde dann zum Wohle der Kinder weiterhin bestehen. In den Familien sollte dieses Verstehen zu Hause sein, damit die Kinder mit der Schuld umzugehen in der Lage sind und voll ins leben kommen.

Klaus am 17. Oktober 2014