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Bonn im Dezember 2013

Klaus Wansleben

Liebe Freundinnen und Freunde !

Wir kommen zusammen und lassen hinter uns, was der Vergangenheit angehört.
Was ist es, was uns bei dem bleiben lässt, was gewesen ist und die Gegenwart nicht zulässt. Wir bleiben beim Gewohnten, weil es in unserem Bewusstsein wie festgelegt ist. Dabei ist es dem Leben von Natur aus gegeben, sich ohne Stillstand zu entwickeln. Wir missachten unser Innerstes. Der Grundzug unseres Verhaltens ist, uns nach außen zu richten und sozusagen im Wettbewerb mit anderen zu stehen.

Wo kommt eigentlich der Antrieb her, alles schnell zu erledigen?
Ist das, was im Augenblick ist, so gering zu sehen, dass schon das Nächste im Blick sein muss. Kann ich eigentlich nicht genießen, was erreicht zu haben.

Schnell und ausdauernd zu arbeiten, um viel zu erreichen, ohne einen Fehler, immer mit Erfolg, gilt in den Personalabteilungen als günstig. Also, die Konkurrenz ist es. Das Leben in einer Gemeinschaft wird dadurch bestimmt, mit Geleistetem den Anderen in den Schatten zu stellen. Wir unterstehen einem geistigen Zwang, welcher uns antreibt, manchmal in blinder Weise, Eifer zu entwickeln. Wir sind mit dem, was uns Geltung bringt, nach außen gerichtet.
Wir unterliegen einer anonymen Autorität, von der wir uns beurteilen lassen.

Es hat sich eingebürgert. Es ist uns kaum bewusst. Es ist ein Verhalten wie in der Schule.
Es ist eine Entwertung des Menschen und steht dem Leben entgegen. Das Innenleben leidet darunter. Wir können das Leben nicht genießen. Die Langsamkeit und das Nichtstun müssen neu erfunden werden, damit wir in unserem Geist und Körper von der Strapaze des Getriebenseins gesunden. Das Streben nach Vielem und immer Neuem ist eine Krankheit. Sie verdirbt uns das Leben. Wer möchte schon gierig oder eifersüchtig genannt werden!

Die Gesundung liegt darin, innezuhalten, um zu erfahren, dass wir vollständig im Leben sind, bevor wir etwas tun. Wir üben in diese Vollständigkeit heimzukehren. Wir richten uns nach innen, fassen Fuß, und lernen die Welt in neuer Weise zu sehen. In unserer Kultur meiden wir die Tiefe unseres Inneren. Es wird als Hindernis für Erfolg gesehen. Wer hält schon inne!

Das Glück ist bei dir zu finden. Warum wendest du dich ab?
Wir lassen uns durch keine uns fremde Autorität in Religion und Gesellschaft, Schule und Arbeitsplatz unseren Wert nehmen!
Wir beginnen, die Ausrichtung nach außen zu erkennen, gehen zu lassen und uns nach innen zu wenden. Einfach ist es nicht. Es ist ein Schwimmen gegen den Strom.

Es kann sich bei Ehepaaren Eifersucht bilden, wenn einer von ihnen berufstätig ist. Derjenige, der nach außen Geltung hat, so wird gemeint, habe mehr Leben. Dabei ist der Beruf lediglich der Name für eine Möglichkeit, in der Gesellschaft sich zu betätigen. Manches, was geschieht, ist großartig, ohne dass ein Name bekannt ist. Es kann auch sein, dass die "Menge ihn verhöhnt", so in einem Gedicht von Goethe.

Was ist es, was uns vom täuschenden Ansehen befreit? Wir lassen unsere Wirklichkeit zu, die uns gegeben, dieses lebendige, mütterliche, väterliche, sich um das Körperliche sorgende Dasein, durchtränkt von Liebe und Zärtlichkeit: Unsere innere Heimat. Sie ist nicht von uns.
Sie gründet in der Weite Gottes.