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Oktober 2013

Klaus Wansleben

Gibt es eigentlich eine rettende Heimat ?
Es könnte auch " Reines Land" oder " Paradies" heißen !

Wir empfinden sehr häufig, etwas noch machen zu sollen, obgleich wir mit der Arbeit fertig sind. Wir kommen nicht zur Ruhe.
Wir bleiben auch nicht lange auf einem Platz und wechseln zu einer anderen Stelle. Wir sind mit unseren Lebensbedingungen nicht zufrieden und sehnen uns nach Anderem. Manchmal bezieht sich diese Unzufriedenheit auch auf den Partner. Er solle anders sein. Wir schimpfen gerne über uns umgebende Menschen. Das klingt so, als ob sie anders zu leben hätten. Das Leben, so wie es sich zeigt, schenkt uns keinen Frieden. Ähnlich ist es an der Arbeitsstelle. Menschen sind neidisch auf die Stelle eines Anderen und es entsteht Eifersucht. In den Familien ist es ebenfalls sehr schwierig, den Frieden zu wahren.

Es sieht so aus, als wenn dieses das normale Leben sei. Scheinbar haben wir zu akzeptieren, in einem solchen Leben zu sein. Eifersucht, Geiz und Missgunst erweisen sich als unumgänglich.
Ich suchte Befreiung da, wo Menschen Philosophie studiert haben. Sie haben darüber studiert, aber den Inhalt der gehörten Worte konnten sie nicht in sich aufnehmen. Den Standort eines gereiften Menschen haben nur wenige gefunden. Ich ging zu den Priestern. Sie seien Gott sehr nahe und dem Himmel der Erlösung. Sie waren in keiner besseren Situation. Sie schienen mir in einer noch größeren Not. Philosophen und Theologen schienen mir in der Not eines Menschen zu sein, der zwar viel gelernt hat, jedoch überzeugende Antworten zu geben nicht in der Lage ist. Überzeugen kann in einer solchen Not nur ein Mensch, der keine Worte hat und nur eine Haltung zeigt, dich verstanden zu haben. Er leidet mit dir - Mitleid -.
Was bedeutet es für dich, wenn ein Mensch dir ganz zugewendet und ohne Vorbehalte bei dir ist. Der Druck der Zurückhaltung wird gesprengt.

Mein Verhalten ist behindert, weil meine Natürlichkeit durch ein machtvolles Gegenüber an die Kette gelegt worden ist. Meine Natürlichkeit, obgleich das Wertvollste und das Eigentliche und die Kraft überhaupt, ist eingedämmt zu Gunsten der Gehorsamkeit einer fremden mir nicht zugewendeten Autorität.
Nun habe ich immer noch nicht das Reine Land, die wahre Heimat oder das Paradies gefunden !

Es geht um die Behinderung durch ein mich nicht würdigendes Gegenüber. Es handelt sich dabei um Menschen, die mir in meiner Entwicklungszeit gegenüber standen und mich nicht nehmen konnten, wie ich war. Der Mensch wird zwangsweise eingereiht in eine ihm nicht gemäße Kultur, Religion, Schulung und Arbeitswelt. Eine Stimmigkeit ist nur ausnahmsweise vorzufinden.
Alle Beteiligten handelten unbewusst. Sie wussten nicht, was sie taten. Manfred Lütz (Ärztlicher Leiter eines Krankenhauses für psychisch Kranke) nennt in seinem Buch "Bluff" diesen Vorgang " Die Fälschung der Welt" In einem anderen Buch meint er zurecht, wir therapieren die Falschen.
Das Wegführen des Menschen aus seiner natürlichen in eine künstliche Welt ist in Wahrheit eine Fälschung. Die Kriege im Kleinen wie im Großen scheinen mir das nicht ausbleibende Resultat. Es ist ein Zeichen des Unwohlseins des Menschen mit seinem künstlichen Zustand. Der Druck der Prinzipien macht den Menschen nicht glücklich. Der Glückliche hat keinen Anlass, einen Krieg zu erklären!
Zärtlichkeit und Herzensliebe kommt in den Ruf von Schwäche und Abartigkeit. Müdigkeit, Ruhebedürftigkeit und Nichtstun erscheinen völlig fehl am Platze. Dem Leistungsfähigen gehört die Welt. Der Mensch möchte leisten. Er möchte es in einer ihm gemäßen Weise. Dieses entspricht der ihm von Natur gegebenen schöpferischen Kraft. Wird er so genommen, kommt es zu einer großartigen Leistung.
Im ZEN finden wir einen Hinweis. Ein Meister wird gefragt, was ist das Eigentümliche für die Nachfolge des Buddha. Seine Antwort lautete, Weite nicht heilig.
Wie nun finden wir das Ziel ?

Wir können der Welt doch keinen Krieg erklären, weil wir in dieser Welt leben und uns wohl fühlen möchten !
Wir schauen zu den Menschen hin, die uns in der Kinderzeit auf den Weg gebracht haben. Wir durchschauen, was gewesen ist und das geistige Feld mit den Kräften, die diese Menschen geführt haben. Wir schauen mit dem Herzen und verstehen die Ohnmacht und Ängste der Menschen insgesamt. Es ist ein Vollzug in unserem Inneren. Das Heraustreten aus Gewohntem geht durch eine Tür voller Angst. Es ist wie ein Dammbruch, wenn die Zwänge überwunden werden. Du bist nackt im Angesicht Gottes. Jede fremde Macht ist überwunden. Du fühlst dich am Ziel.