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Bonn, Juli 2013

Klaus Wansleben

Liebe Freundinnen und Freunde

Die Angst spielt im Leben des Menschen eine entscheidende Rolle. Sie entscheidet darüber, ob das Leben gelingt oder ob es zur Qual wird. Eine Art der Angst zeigt sich in der Eifersucht oder auch im Ehrgeiz, also darin, ob einer eifersüchtig oder ehrgeizig ist.

Es geht hier um die Empfindung, der Mitmensch könne mehr oder besser sein als ich. Daraus ergibt sich die Frage, wie finde ich den Platz im Leben, der so ist, dass ihn mir keiner zu nehmen trachtet oder neidet. Er soll zudem einen Wert besitzen, der mich voll zufrieden stellt und ich nicht nach Anderem strebe. Der Platz ist meine innere Haltung. Sie soll so sein, dass das Leben ganz genommen ist, ohne Angst zu haben. Damit wäre gleichzusetzen, ein Leben ohne Eifersucht, Ehrgeiz und die Angst, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden.

Dieser Platz ist da, wo du bist. Er ist schon von dir eingenommen. Er ist dir durch die Eigenart des Lebens gegeben. Das Leben ist so. Das bedeutet, du musst dieses Vorhandene nehmen.

Du bist entfernt von deiner eigenen wunderbaren und angstlosen Art. Du warst am Anfang so. So wollte dich keiner haben. So musstest du in deiner Kinderzeit, wegen deiner Abhängigkeit von Erwachsenen, deine wunderbare Eigenart aufgeben, um zurechtzukommen.

Du hast dich aus der natürlich unbefangenen Art eines Kindes in eine künstliche Welt begeben müssen. Sie entspricht Prinzipien, Dogmen und durch Vernunft und Überlegung festgelegten Mustern. Weil sie nicht der Weite des Lebens entsprechen, lebst du nun eingeengt und hast Angst, Grenzen zu überschreiten. Es meldet sich das Gewissen.
Das Pferd weidet auf einer Wiese zwischen Stacheldraht, obgleich es für eine unbegrenzte Welt von Grasflächen und Wäldern bestimmt ist.

Durch den Druck der Zwänge entsteht Unwohlsein, das sich im Körper bemerkbar macht. Der Mensch wird aggressiv und unberechenbar. Bei ihm und in seiner Umgebung ist die Angst zuhause. Nun werden Gebote und Gesetze gemacht, um einen solchen Menschen zu bändigen und möglicherweise bei Nichteinhaltung zu strafen. Wir spüren, es trifft den Falschen.

Nun stehen die Eltern da und auch Lehrer, Ärzte, Geistliche, also Menschen, die Heranwachsende begleiten und auch führen. Was haben sie gemacht? Sie konnten nicht anders. Sie sind ebenfalls "verleitete". Sie machten das, was sie wussten und konnten. Niemand kann neben seinem Gleis fahren.
Wie nun kann eine so falsch laufende Welt wieder in die natürliche Bahn kommen? Wie können die Menschen ihre Angst verlieren und zu einem vollständigen Leben voller Kraft und ohne künstliche Einschränkung kommen?

Es geht - allerdings nur über einzelne Menschen. Es sind Menschen, die diese Fehlentwicklung durch ihr eigenes Erleben erfahren. Sie laufen nicht weiter in blinden Eifer mit dem Strom der Zeit. Sie sagen nein und kehren aus einer fremden, künstlichen und angstvollen Welt zurück zu dem in ihnen ruhenden unverfälschten Grund.

Was war geschehen?
Die künstliche Welt verheimlicht die Sterblichkeit des Menschen. Im Leistungskult, im Schönheitswahn, Gesundheitsextrem und im Trachten nach endlosem Leben finden Kranksein, Müdigkeit, Fehler, Schuld, Irrtum und Verlust keinen Platz, obgleich dieses alles zum Leben gehört. Diese Menschen erfahren in einem unverhofft eingetretenen Sterbevorgang diese künstliche Lebenssituation in ihrem Bewusstsein.

Diese Menschen bringen allein durch ihre nun unverfälschte Lebensweise Licht in die Dunkelheit des Unbewussten. Sie können den Menschen eine innere Tür weisen, die sie aus dem bedrückenden Nichtwissen in die Freiheit von Angst führt. Mit dieser Freiheit gewinnt der Mensch in natürlicher Weise seine Liebesfähigkeit. Kein Gebot verpflichtet ihn nunmehr. Allein die Liebe ist sein Maßstab.

Wie begegnen sich dann Mann und Frau?
Ich bin für dich da und dein Wohl!

Wie sieht die Familie aus?
Ich bin für dich da und die Kinder und für das Wohl des Gesamten!

Wie wachsen die Kinder auf?
Sie wachsen im Licht der Liebe und Zuneigung von Vater und Muter auf!

Das Fundament ist dann ein Selbstbewusstsein, was das Leben selbst ist und im Zeitlosen ruht. Das Lebendige waltet mit allen Bedürfnissen, wird geachtet und gefördert. Beruf, Schule, Arbeitsstelle, Kirche, Politik usw. sind dann Bereiche, die frei gewählt und jeweils nach Notwendigkeit hinzugenommen und gestaltet werden. Sie dienen dem Menschen und nehmen ihn nicht gefangen. Jeder Mensch findet über den Weg der Familie ins Leben. Wer Vater und Mutter zu achten und zu lieben versteht, dessen Lebenswurzel ist Liebe.
Wenn das Herz wach wird, erkennt der Mensch, dass die wahre Autorität fürs Leben in ihm ruht und in keinem anderen oder Institution.

Gruß --- Klaus ---