Texte - Klaus Wansleben

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Brief zum Jahresbeginn 2013

Liebe Freundinnen und Freunde!

Wenn ich einen solchen Brief schreibe, dann schildere ich meine eigene Geographie. Ich befinde mich an einem bestimmten Punkt auf dieser Erde. Er ist mein Standort. Der Standort gehört zu meinem Leben. Wir können uns kein Leben vorstellen, ohne eine Fläche, auf der ich stehe. Würde ich schweben, dann hätte ich keinen Stand. Ich wäre dann der Macht des Windes ausgesetzt, wie es sich z.B. bei den Sturmkatastrophen zeigt. Manch einer verliert dabei sein Leben. Ein solches Schicksal ist hart.
Auf einem solchen Platz finde ich meinen Halt. So etwas geschieht natürlich und unbewusst. Es ist die Gegebenheit des Lebens selbst und von keinem gewählt. Vom Unbewussten können wir auch sagen, es läge im Nichtwissen. Das, was seit je her die Eigenart des Lebens selbst ist und sein Bestehen erst ausmacht, kann der Verstand nicht ergründen. Die Natur oder besser die Wesensnatur hat dem Verstand eine andere Aufgabe zugeteilt. Das Wesen des Menschen hat im Laufe der Evolution Wirkungsweisen zur Förderung des Überlebens gebildet, die gegeben sind und jenseits des Verstandes liegen. Sie wollen geachtet sein und entziehen sich unserer Beeinflussung.
Der Geist des Zen führt uns zu der Haltung, uns diesen gegebenen Kräften der Wesensnatur völlig zu überlassen. Nun könnte die Frage gestellt werden, warum die Übung des Überlassens, wo doch die Wesensnatur der Kreator des Lebens ist und uns mit unserer Gestalt ständig ins Leben ruft. Die Evolution hat im Laufe der Entwicklung, zur besseren Sicherung der Lebensmöglichkeit, den Verstand hervorgebracht. Wir sind noch in der Entwicklungsphase, den Verstand in der Weise einzusetzen, dass er wirklich dem Wohl des Menschen dient. Der Verstand hat der menschlichen Gefühlswelt die trügerische Möglichkeit suggeriert, sich über die Wesensnatur erheben zu können und eine dem Verstand gehorchende Welt zu entwickeln. Woran mangelt es auf der Ebene des Verstandes eigentlich, denn ist nun wirklich das innere Wohl eingetreten oder ist man doch zu sehr bestrebt, ein äußeres Wohl zu finden? Es wird allmählich Zeit, dass wir von der Not der Menschen berührt, uns einer Lösung zuwenden. Wir sollten es nicht mehr aufschieben, denn es brennt schon an vielen Stellen. Wir können es nicht von anderen erwarten. Wir müssen unser Herz entdecken. Es kann lieben. Wir sollten aus dem Schlaf erwachen, nur Duldende und Klagende zu sein. Unsere Schöpferische und von Natur aus liebende Kraft ruht in unserer Wesensnatur. Sie ruht in unserer eigenen Bewusstseinstiefe. Aufzubrechen bedeutet nicht, gegen trügerische Vorstellungen zu kämpfen. Wir beginnen, uns und die Menschen in ihrem Wahn zu verstehen und durch Liebe Einsicht zu erlangen. Manch einer meint, das ginge nicht. Es braucht Geduld und Ausdauer. Es geht um unsere Kinder und Enkel. Wir wollen in Liebe zu ihnen uns auf den Weg machen, eine bessere Welt zu schaffen. Es kann eine Welt geben, wo wir beieinander stehen bleiben und in dem anderen uns selbst sehen. Wir werden dann seinen Platz auf dieser Erde achten und ihn nicht besiegen wollen. " Reich mir die Hand mein Leben, komm auf mein Schloss mit mir". Wer hört diese Arie aus der Oper "Don Giovanni" von Mozart nicht gerne. Da wir kein Schloss besitzen, nehmen wir einfach unser Herz. Ein Leben getragen von Liebeskraft wirkt aus sich und verlangt keine Mühe. Ich möchte mit einem Gedicht schließen.

Ein gutes Neues Jahr wünscht allen
Klaus